Schweinehaltung auf HOFGUT RUDLOS

Zurzeit halten wir keine Schweine.

... haben Sie schon mal ein echtes Glücksschwein gesehen?

... so könnte es aussehen!
... so könnte es aussehen!

Das Schwein ist eine ausgesprochen sozial lebende Tierart. Schweine leben in Gruppen, deren kleinste Einheit die Familiengruppe ist. Diese besteht aus eine Bache (weibliches Schwein) und ihren Frischlingen (Ferkeln) und den weiblichen Tieren des vorigen Wurfes. Mehrere Familiengruppen bilden einen Familienverband, die sog. Rotte. Wird die Rotte mit ca. 30 Tieren zu groß, so teilt sich die Gruppe und eine Hälfte muss sich ein neues „Revier“ erschließen. Lediglich die erwachsenen oder fast erwachsenen Keiler (männliche Schweine) leben die meiste Zeit des Jahres einsiedlerisch. Sie werden mit einem bis eineinhalb Jahren aus der Rotte ausgestoßen und spätestens mit dem Einsetzen der nächsten Paarungszeit zu Einzelgängern. Aufgrund dieser geselligen Sozialstruktur sollten Schweine daher vorzugsweise in Gruppen gehalten werden. Eine Ausnahme bilden hier Hochtragende Tiere, sie sondern sich häufig vor der Geburt von der Rotte ab. So sollen Deckeber, die untereinander Unverträglichkeiten zeigen und Sauen während der Abferkelzeit (Zeitraum rund um die Geburt) einzeln, jedoch nicht in sozialer Isolation gehalten werden.

Abferkelstall auf Hofgut Rudlos: Jede Sau hat ihren eigenen Rückzugsbereich.
Abferkelstall auf Hofgut Rudlos: Jede Sau hat ihren eigenen Rückzugsbereich.

Das Sozialverhalten beim Schwein wird durch eine Rangordnung bestimmt. Wenn Gruppen aus einem Wurf hervorgegangen sind, ergibt sich die Rangfolge natürlicherweise aus der Saugordnung. Kommt es aufgrund haltungstechnischer Gegebenheiten zu einer Neubildung von Gruppen, so spielt sich die Rangordnung je nach Gruppengröße und Eigenart der Tiere innerhalb von wenigen Minuten bis einigen Tagen ein und kann bei genügendem Platzangebot auch ohne Kämpfe untereinander durch Ausweichen eingehalten werden.

 

Das Nahrungsaufnahmeverhalten beim Schwein lässt sich kaum isoliert vom Erkundungsverhalten betrachten, denn die Tiere verbringen die meiste Zeit des Tages mit der Erkundung der Umgebung und der Futtersuche. Unterbrechungen finden nur durch kurze Ruhepausen zur Mittagszeit statt. Schweine haben ein außerordentlich hohes Bewegungsbedürfnis und somit dient der Nahrungserwerb nicht nur zur Sättigung, sondern auch zur Befriedigung ihres Bewegungsdranges. Hausschweine, wie ursprünglich auch Wildschweine, sind tagaktive Tiere. Es gibt eine Aktivitätsphase, die früh morgens beginnt und erst am späten Abend endet, eine Art Mittagspause, in der die Tiere ruhen. Die zwei Hauptaktivitätsphasen liegen in der Morgen- und Abenddämmerung. Zu diesen Zeiten finden auch die primären Beschäftigungen statt: Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme.

Wildschweine bzw. Hausschweine haben stets gemeinsame Fressperioden. Das Nahrungsaufnahmeverhalten wirkt „ansteckend“. „Schlangestehen“ zwecks Nahrungsaufnahme passt in keiner Weise in das Ethogramm von Schweinen. Sie sind immer bestrebt, gleichzeitig und in der Gruppe zu fressen. Sie sind „Synchronfresser“.

 

Schweine sind Allesfresser. Die Nahrungspalette des Wildschweines reicht von Käfern, Raupen, Eiern, Fröschen, Jungvögeln und sogar Junghasen über Früchte, Blätter, Gräser, Knollen und Wurzeln bis zu Aas und Humus. Der Geschmack des Hausschweines ist prinzipiell gleich


Auf Hofgut Rudlos dient hofeigenes Getreide, Grünfutter, Grassilage und Heu als Futter.

Schmeckt die hofeigene Mischung?
Schmeckt die hofeigene Mischung?
Sieht man doch!
Sieht man doch!

Schweine zeigen ein ausgeprägtes Spiel-, Neugier- und Erkundungsverhalten, das sie auch ausleben möchten. Ein beim Schwein sehr auffallendes Phänomen ist der Rüttelinstinkt. Die Tiere rütteln an jedem beweglichen Bestandteil der Bucht oder des Geheges mit einer Ausdauer, die sich über Stunden erstrecken kann. Wer also einen Stall für Schweine gebaut hat, und nach 24 Stunden noch alles heile ist, dann ist der Stall „Schweinesicher“.


Gerade bei Ferkeln kann man dieses Spielverhalten gut beobachten. Sie rennen gerne eine kürzere Strecke bzw. im Kreis herum. Auch hüpfen Ferkel sehr gerne und schlagen Haken. Vermehrt geschieht dies innerhalb einer Gruppe von Ferkeln. Insgesamt entfernen sie sich dabei jedoch nicht sehr weit von dem Muttertier. Auch sind kleine Raufereien ein Ausdruck von Spiel, wobei es allerdings nicht selten auch in Ernst übergehen kann.


Auch bei älteren Tieren findet man dieses Verhaltensrepertoire. Sie hüpfen und machen kleinere Luftsprünge, beschäftigen sich mit Stroh oder anderen Gegenständen, reißen Grasbüschel aus und zeigen dabei das wohlbekannte Verhalten des Beuteschütteln.


Insgesamt kann daher festgehalten werden, dass Schweine ein außerordentliches Bedürfnis an Bewegung haben, welches unter den heutigen Haltungsformen leider in keinster Weise gewürdigt wird. Die Beschränkung des Schweins auf kleinstem Raum, ohne Stroh, Gras, Sonnenlicht erscheint unter diesem Aspekt umso grausamer. In reizarmen Buchten wird der Trieb des Erkundens häufig auf Artgenossen umgelenkt. Die Folge ist Schwanzbeißen und im Extremfall Kannibalismus.


Schweinemütter sind sehr fürsorglich, wachsam und behutsam im Umgang mit ihrem Nachwuchs.

Bei Mama...
Bei Mama...
... ist es doch am schönsten!
... ist es doch am schönsten!

Die Vorzeit der Geburt ist geprägt durch den Nestbautrieb, der allen Schweinen innewohnt. Wildschweine erkunden einige Tage vor der Geburt intensiv ihre Umgebung um einen guten Nestplatz zu finden. Bei Hausschweinen ist dieser Abschnitt gekennzeichnet von einer merklichen Unruhe. Durch die enorme Beschränkung der Tiere auf einen häufig engen Stall ist ein Ausleben des bei Wildschweinen üblichen Erkundungsdranges in dieser Zeit nicht möglich.


Die Bache beginnt mit der Suche von Nistmaterial und trägt es zu der von ihr ausgesuchten Mulde bzw. Senke. Ein fertiges Nest kann durchaus einen Meter hoch sein. Das Ausleben dieses Verhaltens ist den meisten Hausschweinen leider nicht vergönnt, da sie in Kastenständen fixiert werden.


Diese enorme Einschränkung der Tiere wird durch die Gefahr des Erdrückens des Nachwuchses erklärt. Unsere Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Sauen durch ihre ausgeprägte Mütterlichkeit sehr gut auf ihre Ferkel aufpassen, bevor sie sich hinlegen. Als kleine Hilfestellung sind an der Buchtenwand Ablegehilfen installiert, so dass kein Ferkel an die Buchtenwand gedrückt werden kann.

Auf Hofgut Rudlos dürfen die Sauen „frei“ abferkeln und bekommen ausreichend Stroh zum Bau eines Nestes zur Verfügung gestellt…
Auf Hofgut Rudlos dürfen die Sauen „frei“ abferkeln und bekommen ausreichend Stroh zum Bau eines Nestes zur Verfügung gestellt…
… was sehr gerne angenommen wird.
… was sehr gerne angenommen wird.

Muttersauen beschmutzen niemals ihr Nest. Die Reinlichkeit von Schweinen, ist entgegen der landläufigen Meinung äußerst ausgeprägt. Mutterschweine sind sehr aufmerksam und bereit ihren Nachwuchs zu verteidigen. In freier Natur ist es daher wenig ratsam, sich einer Bache mit Nachwuchs allzu sehr zu nähern. Auch Hausschweine zeigen diese Verhaltensmuster indem sie Warnlaute ausstoßen und Drohgebärden zeigen.


Nach etwa 10 Tagen verlässt das Muttertier mit ihrem Nachwuchs das Nest und schließt sich wieder der Rotte an. Ab diesem Zeitraum beginnen die Ferkel dann auch die unmittelbare Umgebung zu erkunden. Auf Hofgut Rudlos werden Sauen und Ferkel ihrer natürlichen Verhaltensweise entsprechend ab diesem Zeitraum auch wieder in Gruppen gehalten, mit Auslauf ins Freie, so dass sie sich den Wind und Regen um die Nase wehen lassen können, oder auch mal ein ausgiebiges Sonnenbad nehmen können.

 

Schweine sind wie bereits erwähnt sehr reinliche Tiere. Das wohl bekannteste Verhalten ist das Suhlen der Schweine. Es erfüllt einen wichtigen Zweck im Hinblick auf Reinlichkeit und Regulation der Körpertemperatur. Schweine können nicht schwitzen und so kommt es bei Temperaturen oberhalb von 20°C zu einem Hitzestau, den sie lediglich durch das Abkühlen in Wasser- oder Schlammbädern regulieren können. Auch dient das Suhlen dem Schutz vor Insekten und Parasiten, da diese Plagegeister durch den getrockneten Schlamm entfernt werden.


Nach dem Suhlen wird ein Scheuerpfahl aufgesucht um den getrockneten Schlamm zu entfernen. Auch sind Schweine nicht so gelenkig wie andere Wirbeltiere. Um sich von quälendem Juckreiz zu befreien scheuern sich die Tiere an festen, rauen Gegenständen.


Schweine beschmutzen ihren Schlaf- und Freßplatz niemals. Sie haben eine natürliche Abscheu gegen ihre eigenen Exkremente und suchen zum Harnen und Koten einen ausgewählten Platz aus. Auch hier wird die "moderne" Tierhaltung dem Bedürfnis des Schweins kaum gerecht. Schweine leben heutzutage meist auf engstem Raum und haben durch Vollspaltenboden ständigen Kontakt zu ihren Ausscheidungen. Auch hier zeigt sich, dass der Vorteil des Menschen (geringere Arbeit durch Spaltenböden) einen gravierenden Nachteil für das Tier bedeutet.

Kaum auf der Welt und schon riesigen Hunger. Die Muttermilch in den ersten Stunden (Kolostrum) ist für die Ferkel sehr wichtig. Bereits kurz nach der Geburt bilden die Ferkel eine feste Saugordnung, die über die gesamte Säugezeit erhalten bleibt.
Kaum auf der Welt und schon riesigen Hunger. Die Muttermilch in den ersten Stunden (Kolostrum) ist für die Ferkel sehr wichtig. Bereits kurz nach der Geburt bilden die Ferkel eine feste Saugordnung, die über die gesamte Säugezeit erhalten bleibt.