Schafhaltung auf HOFGUT RUDLOS

... Schafe sind alles andere als dumm!

Stimmt genau!
Stimmt genau!

Schafe sind – nach dem Hund – die ältesten domestizierten Nutztiere des Menschen. Vor rund 10.000 Jahren wurden sie zum Haustier. Bis heute ist die Meinung weit verbreitet, dass Schafe nicht gerade die intelligentesten sind und meist nur ihren Artgenossen hinterher trotten. Dabei sieht die Realität ganz anders aus. Schafe haben einen Intelligenzquotienten der nur knapp unter dem von Schweinen liegt und etwa dem von Rindern entspricht. Schafe können z.B. wie Hunde, ihren Namen lernen, sie erkennen Artgenossen und auch Menschen an ihren Gesichtern und sind natürlich auf fähig, Gefühle zu zeigen.

 

Als Lebensraum mögen Schafe am liebsten trockene, bewaldete oder zumindest verbuschte Landschaften. Sie sind sehr anpassungsfähig und in fast allen Klimazonen der Erde anzutreffen. Für jede Witterung und Höhenlage gibt es angepasste Rassen, so dass man nicht eindeutig festlegen kann, welche klimatischen Bedingungen sie bevorzugen. Was sie in jedem Fall nicht besonders gerne mögen ist feucht-kalte sowie schwül-warme Witterung. 30°C ist für Schafe eher ein Problem, als minus 10°C und trockene Luft.

 

Wie unsere anderen Nutztiere auch, sind Schafe sozial lebende Tiere. Es wird immer ein Herdenverband angestrebt, alleine gehaltene Schafe kümmern. Die Herden sind natürlicherweise in der Regel matrilinear, d.h. alle Mitglieder einer Herde sind mütterlicherseits miteinander verwandt. Die Familienverbände bestehen in freier Natur aus bis zu 30 Tieren (Mutterschafe mit ihren Lämmern), wobei sich gerade im Winter auch größere Herden zusammenschließen können. Auch wenn man solch größere Schafherden in einem Gebiet hält, kann man eine Aufteilung in Kleingruppen beobachten. Böcke (Widder) sind nur während der Brunstzeit in der Herde. Jungböcke verlassen erst im Alter von ca. zwei Jahren die Herde, obwohl sie schon früher geschlechtsreif sind (8-9 Monate). Sie leben dann in Junggesellengruppen oder werden in höherem Alter zu Einzelgängern.

 

Auch bei den Schafen gibt es natürlich eine Rangordnung. In der Regel dominieren die Böcke die weiblichen Tiere, führen jedoch nie eine Herde. Untereinander kommt es vor allem bei den Böcken zum Kräfte messen im Zweikampf, um die Positionen zu klären. Das Fortpflanzungsverhalten ist rasseabhängig saisonal (Paarungszeit Oktober bis November) oder asaisonal (ganzjährig, z.B. bei unseren Rhönschafen). Bis dann die Lämmer auf die Welt kommen dauert es 150 Tage (5 Monate). Zwillings- oder gar Drillingsgeburten sind nicht unüblich. Auch bei den Schafen sondert sich das Muttertier von der restlichen Herde zur Geburt ab und sucht eine ruhige Stelle, aber immer in Sichtweite der Herde. Aus diesem Grund bietet man den Tieren bei Stallhaltung gesonderte Ablammbuchten an, auch um die Mutter-Lamm-Beziehung in den ersten Lebensstunden entstehen zu lassen.

Mahlzeit!
Mahlzeit!

Nach der Geburt leckt das Muttertier ihre Lämmer trocken und ruft dabei den typischen Lämmer-Lockruf. Dem Erstgeborenen wird zunächst meist mehr Aufmerksamkeit geschenkt, später dem kräftigeren und aktiveren. Lebensschwache Lämmer erfahren von Natur aus wenig bis keine Aufmerksamkeit. Hier ist dann der Tierbetreuer und im Zweifelsfall die Nuckelflasche gefragt. Bei gefestigter Mutter-Lamm-Bindung finden die Lämmer ihre Mutter auch in größeren Herden jederzeit wieder (Geruch und Laute spielen hier die wichtigste Rolle). Ähnlich wie bei der Saugordnung von Schweinen, haben beispielsweise Zwillingslämmer auch ihre präferierte Euterhälfte. In Schafherden kann man schön die sog. „Lämmer-Kindergärten“ beobachten, wo gemeinsam gespielt wird. Das Spielen umfasst kämpfen, decken, rennen und klettern. Erwachsene Schafe spielen nicht.

 

Schafe sind als Wiederkäuer reine Pflanzenfresser. Sie sind genügsame Tiere und können nährstoffarmes, aber rohfaserreiches Futter gut verwerten. Ihr Futterpflanzenspektrum reicht von Gräsern, Kräutern, Farnen und Moosen über Knospen, Blätter, Zweige und Rinde von Gehölzen, Kastanien, Eicheln, Bucheckern bis zu Feldfrüchten. Mit der gespaltenen Oberlippe können Schafe auch kleine, bedornte oder bodennahe Pflanzenteile gezielt aufnehmen. Dieses kann z.B. die Kuh nicht, die ein sog. Flotzmaul hat. Die zeitliche Trennung von Nahrungsaufnahme und Wiederkauen ermöglicht es Schafen, die Nahrung zu einer günstigen Zeit aufzunehmen und später in aller Ruhe, meist liegend, wiederzukauen. Der Widerkäuermagen ist auch Wasserreservoir und ermöglicht es den Schafen, auch eine zeitlang ohne Wasser auszukommen. Natürlich muss den Tieren trotzdem jederzeit Tränkewasser in einwandfreier Qualität zur Verfügung stehen. Schafe sind tagaktiv und nehmen Futter meist gemeinsam auf. Kurz vor Sonnenaufgang wird das Grasen angefangen und dauert fast den ganzen Tag. Zwischen den einzelnen Mahlzeiten legen sich die Tiere zum Wiederkäuen ab.

 

Schafe sind in ihrem Aktivitäts- und Ruheverhalten den Rindern sehr ähnlich. Als erwachsene Tiere beschäftigen sie sich die meiste Zeit des Tages mit Futteraufnahme, Ruhen (vor allem um Mittag im Schatten unter einem schönen Baum und in der Nacht) oder Wiederkäuen. Während der Paarungszeit natürlich auf mit der Fortpflanzung. Wiederkäuer schlafen nicht so, wie einmägige Tiere, sie dösen eher vor sich hin und sind bei Störung sofort wach. Sie können sich auch nicht vollständig hinlegen, sondern liegen eher auf ihren Beinen, da ansonsten die beim Wiederkäuen entstehenden Gase aus dem Pansen nicht entweichen könnten.

Unsere Mittagspause unter einem schattigen Baum lassen wir uns nicht nehmen!
Unsere Mittagspause unter einem schattigen Baum lassen wir uns nicht nehmen!

Natürlich betreiben Schafe auch Körperpflege. Erreichbare Körperteile werden mit den Zähnen und Lippen beknabbert. Die Hinterbeine kratzen den Kopf und Hals. Nicht erreichbare Körperteile werden gescheuert, wofür sich Baumstämme oder Steine bestens anbieten.

 

Da unsere Hausschafe seit Jahrhunderten auf Wolle gezüchtet wurden, müssen sie mindestens einmal pro Jahr geschoren werden. Da die Wolle leider praktisch keinen Marktwert mehr hat (die Schur pro Schaf kostet mehr, als man für die Wolle nachher bekommt), stellt die Schur (Frühjahr) heute eine reine Pflegemaßnahme dar.